Mrz 25 2010

Einheitsbrei statt journalistische Qualität?

Kategorie: Medien, Zeitungadmin @ 12:10

(nsb) Einzelne Titel, Standorte und die lokale Vielfalt in der deutschen Medienlandschaft könnten Bestand haben. Als Folge der hektischen Sparmaßnahmen der Verlage aber dürfte die nationale Vielfalt der Berichterstattung abnehmen, während Agentur-abhängigkeit und Selbstreferentialität der Medien zunehmen. Die Verdichtung redaktioneller Arbeit könnte systematisch zu Lasten journalistischer Qualitätssicherung und genauer Recherche gehen.

So lautet das zentrale Ergebnis einer Studie, die das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes erstellt hat.

Drei Trends stellt die Studie heraus: Auslagerungen, Redaktionsfusionen und Redaktionskooperationen sind die zentralen Maßnahmen, mit denen die Verlage ihre Redaktionen in der Wirtschaftskrise umgestalten. Zudem sei es der Branche bislang nicht gelungen, ein funktionierendes Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus im Internet zu etablieren.

Beim Outsourcing umgehen Verlage die Tarifbindung, indem sie Teile der Redaktion als selbstständige Tochterunternehmen auslagern. Redaktionszusammenlegungen, wie bei der Fusion dreier Regionalzeitungen der WAZ und bei den Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien, sollen Kosten sparen, indem die Arbeit auf weniger Köpfe verteilt wird. Artikelsyndizierung und Autorenpools bieten bei der Welt-Gruppe der Axel Springer AG und beim Berliner Verlag/M. DuMont Schauberg neue Möglichkeiten des Austauschs und der Mehrfachverwertung von Artikeln.

In ersten Reaktionen zeigten professionelle Leser, die als PR-Manager Printmedien beruflich nutzen, Verständnis für die Probleme und die Maßnahmen der Verlage. Sie befürchten aber, dass sich die ökonomischen Zwänge mittelfristig negativ auf die journalistische Qualität auswirken. Bereits heute werde eine zu starke Orientierung an vordergründiger Aktualität und vermeintlicher Exklusivität sichtbar, die zu Lasten gründlicher Recherche und Themenaufbereitung gehe. Wichtig sei, dass auch in Zukunft die Einzelprofile der Blätter erkennbar bleiben und kein „Einheitsbrei“ serviert wird.

Die komplette Studie ist hier als PDF abrufbar:  http://www.dfjv.de/fileadmin/user_upload/pdf/Studie_Journalistische_Qualitaet_03_2010.pdf

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Mrz 12 2010

Journalismus & Social Media - neue Studie aus Österreich

Kategorie: Allgemein, Medienadmin @ 12:14

(nsb) – Die Agentur IKP – PR und Lobbying in Wien hat jetzt in Kooperation mit der Fachzeitschrift Der Österreichische Journalist eine neue Studie zum Verhalten von Journalismus und Social Media veröffentlicht. In der Studie untersuchen die Autoren Günther Brandstetter und Peter Hörschinger, wie sich Journalisten unter anderem Social Media-Plattformen für ihre tägliche Arbeit zu nutze machen und was dies darüber hinaus für die PR bedeutet. Die Untersuchung stützt sich auf repräsentative Angaben von 411 Journalisten und 134 Kommunikationsexperten.

Besonders interessant ist der untersuchte Aspekt, welchen Einfluss Social Media auf die entsprechenden Berufsbilder und die Professionen hat. Österreichs Journalisten und Kommunikationsexperten nutzen überdurchschnittlich häufig Social Media-Plattformen: Rund acht von zehn Befragten sind bei zumindest einem Anbieter wie „facebook“, „Xing“, Twitter“, „YouTube“ oder „MeinVZ“ persönlich vertreten. Im Vergleich dazu liegt – laut dem Austrian Internet Monitor der ORF-Medienforschung – der Gesamtschnitt der österreichischen Internetnutzer, die webbasierte soziale Netzwerke verwenden, lediglich bei 32 Prozent.

Die Autoren der Studie schätzen, dass in allen Bereichen der traditionellen journalistischen Praxis die Bedeutung von Social Media-Plattformen zunehmen wird: In erster Linie sehen sie eine steigende Relevanz für die Reichweite bzw. Leserstruktur (73%), gefolgt von den redaktionellen Inhalten (70%) und Abläufen (61%) sowie im Bereich Wirtschaftlichkeit/ Annoncengeschäft (59%). – Die komplette Studie ist als PDF verfügbar unter: http://news.prva.at/wp-content/uploads/ikp_Journalismus_Web20.pdf

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Mrz 11 2010

Flucht in die Abhängigkeit?

Kategorie: Allgemeinadmin @ 10:34

„Der Geist wird nicht in die Flasche zurückkehren”, glaubt US-Medienberater Martin Langeveld. Er gehört zu denen, die in Apples Wunder-Tablet eine neue Entwicklungsrichtung sehen, die dramatische Folgen für das digitale Verhalten haben wird. Denn der Medienkonsum werde sich deutlich weiter zu den mobilen digitalen Plattformen iPad und Co. verlagern. Die Marketing-Budgets werden folgen, zu Lasten von gedruckten Zeitungen, Magazinen und Direkt-Mailings.

Paid Content und ein neuer Vertriebsweg, der auf der einen Seite neue Einnahmen bringt, auf der anderen Seite das traditionelle Geschäft weiter reduziert? So kommen die Verlage einem tragfähigen Geschäftsmodell in der digitalen Medienwelt um keinen Schritt näher. Zumal die Höhe der möglichen Erlöse noch völlig ungeklärt ist, scheint es mehr als fraglich, ob sie den beschleunigten Verluste an Auflagen und Reichweite ausgleichen können.

Mautpflichtige Einbahnstraße
Das iPad bringt in der Tat eine neue Qualität und eine Reihe von scharfsichtige Kritiker haben es sofort bemerkt. Die einen jubilierend, wie Frank Schirrmacher in der FAZ, die anderen besorgt wie Mirko Lange von der Agentur „talkabaout”, der darin den „Gegenentwurf zu der grade aufkommenden Kultur des Web 2.0: Offenheit, Partizipation und Vernetzung” sieht. Die neue Qualität liegt nicht in der Technik, sondern im Marketing. Das ist kein Computer mehr im Sinne einer frei durch das weltweite Netz navigierenden Surfmaschine. Es ist eine Abspielplattform für die Inhalte von Medienkonzernen, die aus aus dem Rückkanal-Internet wieder die Einbahnstraße machen, und zwar eine mit Mautpflicht.

Fans und Nutzer werden sich finden, denn das Gerät ist schick, prestigeträchtig und kinderleicht zu bedienen. Viele Menschen wollen es bequem haben und Inhalte aufgetischt bekommen. Dabei ist nicht wichtig, wie groß der iPad-Markterfolg selber sein wird. Apple hat die Richtung gewiesen, andere werden auf dem Weg der Verbindung von Hardware, Software und totaler Kontrolle über den „Content” folgen. Ob man das Zensur nennen sollte, sei dahingestellt.

Nachfragemacht statt Anbietermacht
Eines ist gewiss: Die Medienhäuser flüchten als Contentlieferanten für solche Plattformen in eine bisher nie gekannte Abhängigkeit. Da könnte es sich als Illusion erweisen, wenn sie, wie es Mathias Döpfner gerade formulierte, Apple & Co. als „Infrastruktur- und Hardwarepartner” sieht, die sich gefälligst aus der Gestaltung des Contents heraushalten sollten. Die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Presse wandelt sich ein eine Freiheit von Jobs und Obermanns Gnaden. Denn auch dem „digitalen Kiosk”, wie ihn Telekom für die Medienhäuser zu eröffnen verspricht, wird man die Spielregeln nicht so diktieren können wie bisher den Grossisten.

Das gilt auch dann, wenn sich nicht Apple als Monopolist, sondern die von Döpfner geforderte Vielfalt auf dem iPad-Markt durchsetzt. In der Konkurrenz werden sich Anbieter nicht (dauerhaft) über die Technik und auch nicht alleine über den Preis differenzieren können. Den Aussschlag werden Fülle und Attraktivität des Kioskinhaltes geben. Entsprechend groß wird der Hunger nach hochwertigen Inhalten sein, und gerade das sollte Sorge bereiten. Die Medienhäuser, auch heute mächtige wie Springer, sollten einmal einen Blick auf die Lebensmittel-Wertschöpfungskette werfen. Dort können sie lernen, welche Folgen die Nachfragemacht weniger Konzerne haben kann.

Inhalte neu erfinden
Da kommt es darauf an, gelistet zu sein! Der Bedarf an hochwertigem Content wird riesig, aber die Betonung liegt auf hochwertig! Auch die Konkurrenz unter den Inhalteproduzenten wird gnadenlos sein. Inhalte in abgepackten, datierten Ausgaben zu verhökern, da hat Langeveld recht, wird nie wieder funktionieren – auch wenn man sie mit etwas Videomaterial anreichert und grafisch aufmotzt. Das Web hat Inhalte in althergebrachter Form atomisiert, Konsumenten haben gelernt zu surfen und zu entdecken. Auch auf dem iPad werden neue Tools den Nutzer mit noch mehr Vielfalt und Auswahl konfrontieren. Inhalte in abgepackten datierten Ausgaben zu verhökern, das hat Langeveld recht, wird nie wieder funktionieren.

Seine Ratschläge für mögliche iPad-Strategien der Medienhäuser: Man soll Inhalte fürs mobile Web und iPads visuell neu erfinden, rät er. Journalisten sollten lernen, in „Inhalts-Ströme”n zu denken und zu arbeiten. Es komme darauf an, neue Wege der Interaktivität zu finden, so neue Leser anzulocken und Beziehungen und Vertrauen zu Lesern aufzubauen. Das wird ein weiter Weg für die Redaktionen, zu weit für so manche.

Zumal die aktuelle Journalistengeneration erst noch ihr Berufsverständnis und ihr Ideal eines „Qualitätsjournalismus” entsorgen müsste. Es gehe um das Anstoßen von Konversationen, um das Vermischen von Nachrichten, Social-Media und Marken-Botschaften, lernen wir bei Langeveld. Die neuen Kundenbeziehungen, die über mobile Plattformen gewonnen werden, müssten so in völlig neue Erlösströme überführt werden … (mb)


Mrz 04 2010

Bewegtbildangebot: “Es fehlt nach wie vor an Fachkenntnis und Experten”

Kategorie: Allgemein, Medienadmin @ 13:00

(nsb) Ein gemischtes Fazit zieht Kai Flatau, Fachgruppensprecher newTV und Mit-Initiator der newTV-Aktivitäten bei Hamburg@work nach dem 2. newTV-Kongress in der Elbmetropole. Rund 200 Fachleute hatten sich in Hamburg getroffen, um über TV-on-demand, IPTV, Bewegtbildeinsatz in den Social Media und anderes zu diskutieren. Das Interview führte Oliver-Hein Behrens exklusiv für www.medienhandbuch.de:

“Es ist absehbar, dass Bewegtbild im Social Media Umfeld eine immer stärkere Rolle spielen wird. Schließlich können bestimmte Zielgruppen nirgends so gezielt angesprochen werden wie hier. Youtube als das Social Media Videonetzwerk schlechthin zeigt uns schon heute die Bedeutung in diesem Segment. Aber auch die klassischen TV-Stationen werden zunehmend die Verbindung ihres Programms mit der Social Media Welt vorantreiben. So arbeitet die BBC gemeinsam mit anderen britischen TV-Sendern bereits an dem Projekt Canvas. Dahinter steckt die Idee, die TV-Industrie hinter einer offenen IPTV-Plattform zu vereinheitlichen. Überdies ist die Einbindung anderer Internet-Services und Social-Networks möglich.” (hier ein Videolink: http://www.youtube.com/watch?v=B1W9ACIzwEk)

Das komplette Interview: http://www.medienhandbuch.de/news/bewegtbildangebot-es-fehlt-nach-wie-vor-an-fach-kenntnis-und-experten-exklusiv-35218.html

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