Feb 25 2010

“Standardkonzepte kann es nicht geben”

Kategorie: Allgemeinadmin @ 13:23

(nsb) Christian von den Brincken, Manager bei MediaCom, der marktführenden Media-Beratungsfirma in Deutschland, hat in einem Exklusiv-Interview für “medienhandbuch.de” gut dargestellt, warum sich die Beraterzunft mit den neuen Regeln des Web 2.0 etwas schwer tut:

“Zur Zeit ist Social Media-Measurement und -Management ein enormer Hype. Wie meistens bei Hypes wird auch leider viel Unsinn erzählt und viele nicht vergleichbare Analysen werden zusammengestückelt. Wir haben viel Energie darin investiert, hier mit den richtigen Spezialisten zu arbeiten und das Thema qualitativ hochwertig zu entwickeln.

Social Media als Marktforschungstool ist nicht ganz einfach zu handhaben, aber natürlich sehr relevant. Als Marketingtool gestaltet sich das wesentlich schwieriger. Standardkonzepte für Social Media wird und kann es nie geben, dazu sind die Zielgruppen viel zu heterogen. Mit Social Media Management greift man ja sehr direkt in die Brand Equity ein, da braucht es viel Fingerspitzengefühl und eine enge Zusammenarbeit mit Marketing und PR-Abteilungen auf Kundenseite.

Mit vielen Projekten machen wir die Erfahrung, dass die Erwartungen oft nicht erfüllt werden können. Alle, die sich damit beschäftigen machen zur Zeit eben noch einen Lernprozess durch. Ich denke nicht, dass sich Social Media als Marketingkanal durchsetzen wird – die Spannung zwischen dem Wunsch der Marketeers, Dinge zu planen und zu steuern, und dem Wunsch der Social Media Nutzer sich nicht reinreden zu lassen und Meinungsvielfalt zuzulassen, ist ziemlich groß.”

Das ganze Interview: http://www.medienhandbuch.de/news/standardkonzepte-fuer-social-media-wird-und-kann-es-nie-geben-exklusiv-34899.html

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Feb 16 2010

Gerüchteküche ohne Gerücht

Kategorie: Allgemeinadmin @ 11:13

(nsb) Am 5. Februar schickte John Koblin, Redakteur beim Wochenmagazin “New York Observer” eine Frage über den Dienst Twitter, die seitdem Politik und Medien in den USA beschäftigt: “Hat irgendjemand was über den Bombeneinschlag der NYT über Paterson gehört?” David Paterson ist der Gouverneur des Bundesstaats New York, der kurz nach seinem Amtsantritt im März 2008 allen Gerüchten um seine Person vorbeugen wollte, indem er unaufgefordert ein paar außereheliche Verhältnisse beichtete.

Jetzt muss er sich gegen den Verdacht zur Wehr setzen, es gebe ein Gerücht über ihn, dem die New York Times hinterher recherchiere. Die äußerte sich nicht, eine komplette Woche lang – und in der Folge stürzten sich New York Post, Daily News, Huffingtonpost, AP, Reuters, die Online-Ausgabe der Washington Post und etliche weitere Medien in die Schlammschlacht ohne Schlamm. Und niemand weiß bislang, ob John Koblin vielleicht nur mal auf den Busch geklopft hat. Mehr weiß die Süddeutsche Zeitung auch nicht, macht aber gut 120 Zeilen daraus. Die Folgen der fahrlässigen Twitterei haben das alte Europa erreicht: http://www.sueddeutsche.de/,ra11m1/medien/91/503315/text/

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Feb 08 2010

Was ist eine preiswürdige Pressemitteilung?

Kategorie: Allgemein, Medien, Medienarbeitadmin @ 02:25

ddp direct prämiert gelungene, professionell getextete Pressemitteilungen – das hätte eine gute Nachricht sein können für die Journalisten, die unter den täglichen Trash-PM-Fluten stöhnen. Auch für die Trainer, die sich in Aus- und Weiterbildungen mühen, die handwerklichen Grundbegriffe zu vermitteln. Lasst das positive Beispiel wirken! „Ludger Fertmann, erfahrener Nachrichtenjournalist aus Hannover, wählte aus mehr als 70 Meldungen die Siegermeldung aus“, vermeldete ddp direct. Und eine solche Ein-Mann-Jury weckt dann auch schon Skepsis, die sich bei einem näheren Blick auf die beiden „Siegertexte“ als berechtigt erweist.
Beide Themen sind so einfach, dass sie schwer zu ruinieren sind. Wer die Texte komplett liest, erfasst denn auch einigermaßen ihre Botschaft. Dennoch sind sie voll inhaltlicher Unzulänglichkeiten und kleinerer wie auch größerer Formulierungsmängel. Der Krankenkassentext mündet gar in platter Werblichkeit, wie sie ein Nachrichtenjournalist nicht durchgehen lassen dürfte. Für vorbildliches PR-Journalismus-Handwerk stehen diese beiden Texte gewiss nicht – und von überragender Qualität und Preiswürdigkeit kann gar keine Rede sein.
Zu eng, zu streng, zu beckmesserisch geurteilt? Was als Vorbildlich aufs Podest gestellt wird, muss sich in Frage stellen lassen. Nichts gegen den Kollegen Fertmann, seine Qualifikation und Erfahrung seien hier nicht in Abrede gestellt. Aber man weiß ja eben auch, wie wenig kritisch bis fahrlässig gerade viele Tageszeitungsredaktion mit Pressemitteilungen umgehen. Und wir stehen auch immer wieder erstaunt vor katastrophalen Pressemitteilungen aus Pressestellen, in denen ein „erfahrener Nachrichtenredakteur“ den Chefsessel übernommen hat. ddp direct wäre jedenfalls gut beraten gewesen, bei diesem löblichen Unterfangen eine kleine Jury zu installieren.
Hier unsere Kritik zum Nachprüfen! Und sagen Sie uns ruhig Ihre Meinung! (mb)

DIW-Studie rechnet Kosten des Straßenverkehrs klein
“Melkkuh-Vorurteil blendet Umweltfolgen aus”


Die Headline trifft weder die Stoßrichtung der Nachricht, die in erster Linie den ADAC angreift, noch ist sie sprach besonders elegant, aber seien wir nicht zu kleinlich. Die Zitierzeichen bei der Subline aber sind hier irreführend – das ist auch nicht annäherungsweise ein echtes Zitat! Und wenn es eines wäre, wer wird denn hier eigentlich zitiert?

(ddp direct) Berlin. – Eine aktuelle Studie im Auftrag des ADAC kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche Autofahrer durch Steuern und Gebühren übergebührlich belastet wird und dem Staat mehr bezahlen muss, als in das Straßennetz investiert wird…

Ein Mammutsatz von 34 Wörter mit Nebensatzkaskade. Davon abgesehen: Nach meiner Auffassung nachrichtlich verfehlt – er transportiert nicht die Nachricht, produziert aber beim Leser eine kognitive Dissonanz: nach der Headline kriegt der Leser das gar nicht auf die Reihe. Auch der darauf folgende Satz löst das nicht auf, sondern verspricht nur eine Auflösung:

Nach Ansicht der Allianz pro Schiene leidet die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) an einem erheblichen Denkfehler: “Die Studie erweckt mit unlauteren Mitteln …

Was denn nun – Denkfehler (also unbeabsichtigt), oder Manipulation durch vorsätzliches Verschweigen wichtiger Fakten?

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