Wikileaks (www.wikileaks.org) macht wieder einmal von sich reden. Das vor drei Jahren gegründete Portal hat dubiose Absprachen zwischen der damaligen Bundesregierung und dem Mautkassierer “Tollcollect” aus dem Jahr 2002 veröffentlicht. Demnach hatte die rot-grüne Koalition dem Firmenkonsortium eine Rendite von 19 Prozent verbindlich zugesagt, unabhängig vom Geschäftserfolg. So etwas mag der Steuerzahler nicht. Der Skandal steht noch am Anfang, das Übliche wird folgen – Untersuchungsausschuss, Unschuldsbeteuerungen etc.
Interessant ist die Sache, weil aller Kritik (z.B. durch das Watchblog www.wikileak.org) zum Trotz Wikileaks immer wieder ins Schwarze trifft. Ob das noble Schweizer Bankhaus Julius Bär entlarvt wird, wie es Steuersündern aus aller Welt behilflich ist, Interna aus der Scientology-Organisation oder ob die Namen aller 16.000 Mitglieder der rechtsradikalen British National Party bekannt gemacht werden: Zweifel an der Echtheit der veröffentlichen Geheimpapiere haben sich bisher nie bestätigt. Ein kurzes Interview mit einem deutschen Wikileaks-Bekenner lässt einen Blick auf die Arbeitsweise der Macher zu (http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2009/05/wikileaks—-das-interview.html).
Mindestens ebenso interessant wie die Inhalte der vertuschten Wahrheiten ist aber der Umstand, dass die Papiere ihren Weg zu den anonymen Betreibern von Wikileaks finden und nicht in die Redaktionsstuben von Presse und Fernsehen. Die Journalisten des publizistischen Mainstream genießen offensichtlich weniger Vertrauen als eine Organisation, die von Unbekannten betrieben wird. Ein Schelm, der dabei den Gedanken an Anzeigenerlöse, Werbeminuten und politisch besetzte Verwaltungsgremien nicht unterdrücken kann …
Nov 29 2009
Vertuscht, versiegelt - veröffentlicht
Nov 11 2009
Noch ein Volkstrauertag
Seit wenigen Tagen steht es fest: Die Netzeitung ist Geschichte. Vor einem Monat erst kündigte die erste ausschließliche Online-Zeitung in Deutschland eine Kooperation mit dem Portal The European des ehemaligen Cicero-Ressortleiters Alexander Görlach an. In einem kurzen Interview hieß es:
“Netzeitung: Überall hört und liest man von Stellenkürzungen und Schließungen. Woher haben Sie den Mut genommen, ein Redaktionsteam aus 30 Mitgliedern zu bilden?
Görlach: Guter Journalismus ist nicht tot, schon gar nicht im Netz. Der alte Business-Case der Zeitung hingegen schon. Nicht das bedruckte Papier, sondern das, was draufsteht: Die Nachricht. Nachrichten sind überall im Netz, in dem Moment, wo sie geschehen. Was das Geschehene bedeutet, hingegen nicht. Das übernehmen nun wir.”
Der neue Eigentümer der NetZeitung, das Kölner Medienhaus DuMont-Schauberg, sieht das anders. Die werfen jetzt die letzten zwölf Redakteure raus und vertrauen auf die Online-Präsenzen ihrer gedruckten Traditionsblätter: Das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion wird zum 31. Dezember 2009 aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben, die Netzeitung soll lediglich als automatisiertes Nachrichtenportal weiter betrieben werden.
Man mag sich gar nicht ausmalen, was in den Köpfen der Herren vorgeht. Weil die Vorstellung eigentlich gar nicht schwer fällt, welch enormes Potential in einem Haus schlummert, das die Redaktionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Express, Mitteldeutscher Zeitung und Hamburger Morgenpost beherbergt.
Dieses Imperium hält die frische Luft nicht aus, die ihm eine Zukunftsidee zufächelt? Na dann, Fenster zu und weiter im bekannten Mief (noch bis 31.12.: www.netzeitung.de)
Nov 11 2009
Jetzt wird auch das “Spazierfernsehen” erfasst
Wir beschreiben in unserem Buch “Medienarbeit 2.0”, wie sich die Sehgewohnheiten der TV-Nutzer verändern, seit die neue Technik zeitversetztes Fernsehen auf dem PC-Monitor oder Handy-Display erlaubt. Durch ein neues Messverfahren bei der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) ist jetzt die TV-Sehbeteiligung um 2,8 Prozent gewachsen. Seit Anfang Juli werden nämlich mit der neuen Messtechnik „TC score“ erstmals auch die Außerhaus- und die zeitversetzte Nutzung des Fernsehens erhoben. Bisher sind allerdings noch nicht alle Panel-Haushalte umgerüstet, rund ein Viertel steht noch aus. Erste Ergebnisse zeigte RTL-Medienforscher Matthias Wagner auf dem AGF-Forum.
Die meiste Außerhaus-Nutzung findet demnach am Samstag statt – hier beträgt der Zuwachs der Sehbeteiligung 3,6 Prozent. Der Montag ist mit einem Plus von 1,7 Prozent der Wochentag mit der geringsten Außerhaus-Nutzung. Die zeitversetzte Nutzung verteilt sich dagegen gleichmäßig auf alle Wochentage.
Die Sender mit den stärksten Zuwächsen sind Euronews (9,3 %), DSF (7,0 %), Eurosport (4,8 %), NDR Fernsehen (4,4 %) und Das Erste (4,1 %). Fußball- und andere Sportübertragungen sowie Unterhaltungsshows sind die Genres, die am meisten außer Haus geschaut werden. Daily Soaps erfreuen sich der stärksten zeitversetzten Nutzung.Mehr darüber im neuesten kress-report: www.kress.de
