Okt 30 2009

Qualität und Kommerz

Kategorie: Allgemeinadmin @ 17:22

Die klassischen Medien behaupten sich? Wer sich gerne über die prekäre Medienzukunft tröstet, bekam in dieser Woche Futter von TNS Emnid Medienforschung: Die klassischen Medien haben die Nase vorn: 91 Prozent der deutschen Internet-User informieren sich im Fernsehen über aktuelle Nachrichten, drei Viertel lesen auch Tageszeitung, selbst das Radio spielt noch eine Rolle.

Wo sie sich online informieren, vertrauen 61 Prozent der deutschen Onliner eher den Seiten von Printmedien-Verlag und TV-/Radio-Sendern als denen anderer Anbieter. Klassische Medien verlängern die eigene Vertrauenswürdigkeit und Seriosität ins Internet. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) will für eine Nachrichtenquelle, der sie vertrauen, auch weiterhin zahlen.

Dann ist die Welt doch in Ordnung, oder?

Vorsicht: 58 Prozent sind der Meinung, es mache keinen Unterschied mehr, ob eine Meldung in der Zeitung oder im Internet steht. 40 Prozent informieren sich nach dem Motto „Hauptsache, es kostet mich nichts“. Und betrachtet man die Daten nach Altersgruppen, so ergibt sich eine Chronologie des Bedeutungsverlusts: 63 Prozent der über 50-Jährigen vertraut den klassischen Medien grundsätzlich mehr als dem Internet, bei den 30- bis 49-Jährigen tut das nur noch die Hälfte und bei den 14- bis 29-Jährigen nur mehr ein Drittel. Da gelingt es den klassischen Medien nur noch sehr eingeschränkt, ihre Seriosität auf die Internetangebote zu übertragen.

Und was tun die Medienunternehmer dagegen? Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger zufolge reagieren deutsche Verlage teilweise radikal auf die Krise. Jeder zweite Verlag legt Redaktionen zusammen. Zwei Drittel der Verlage fusionieren ihre Print- und Online-Vermarktung. Und ein Drittel, das betrifft vor allem die Zeitschriften, will Print-Titel einstellen.

„Der große Trend zur Medienkonvergenz“ (Markus Kreher, KPMG) lässt sich an der Zahl entlassener Journalisten und Verlagsmitarbeiter messen. Fast 80 Prozent aller Verlage wollen ihre Aktivitäten im digitalen Markt verstärken, kein Verlag will sie zurückfahren. Die Umsätze im gesamten digitalen Bereich sollen von derzeit 8,7 Prozent (2008) um fast die Hälfte auf 12,5 Prozent im Jahr 2012 steigen.

Auf die Frage wie man im Internet Geld verdienen will, gibt es eine klare Antwort: Mit einem Mix von Online-Werbung, Paid Content und E-Commerce. In Sachen Paid Content sollen es vor allem die neuen Endgeräte wie E-Books und Smartphones bringen, wo sich noch keine “Free-Erwartungshaltung” wie im Internet etabliert hat.

„Wachstum wird nur mit einer Differenzierungsstrategie gelingen“, meint Alexander von Reibnitz (VDZ) in einem Interview mit dem Fachmagazin Horizont, „ d.h. die Nutzung von vielen Erlösquellen (also nicht nur Online-Werbung) auf den Printmarken-Websites einerseits und andererseits den Aufbau von Beteiligungen mit anderen Geschäftsmodellen, Beispielsweise transaktionsbasierten Modellen (eCommerce, Preisvergleiche, etc.). Der Mix macht’s in diesem Fall. Optimal ist dann noch eine Verknüpfung der Printmarken-Websites mit den Beteiligungen, um den User mehrfach zu kapitalisieren und Synergieeffekte zu erzielen.“ Auch das Geschäft mit markenfernen und -nahen Zusatzprodukten, heißt es, sei weiterhin attraktiv.

Offener kann man es kaum sagen: Den User so oft wie möglich schröpfen. Die Internetauftritte von Printmedien sollen künftig vor allem eines – verkaufen, verkaufen, verkaufen! Dazu braucht man ja eigentlich keine Journalisten …

Doch halt, da war doch noch was? Ausgerechnet der KPMG-Experte weist darauf hin. Im Zeitalter von Web 2.0 seit die Aktualität, der Breaking-News-Charakter nicht mehr so wichtig, aber: „Die Qualität der Hintergrundberichterstattung könnte für die Finanzierung entscheidend sein. Qualitätsjournalismus (insbesondere in digitalen Medien) wird so ausgerichtet und mehrwertig für die jeweilige Zielgruppe sein müssen, dass diese auch bereit wäre, dafür zu zahlen.“

Auf diesen Spagat zwischen journalistischer Qualität und Kommerz wird man gespannt sein dürfen.

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Okt 23 2009

Von Selbstbefleckung und Opas Fernsehen

Kategorie: Allgemeinadmin @ 00:44

Manche Texte haben den Vorteil, dass jeder nach drei Zeilen weiß, warum sich das Weiterlesen nicht lohnen wird. Ein Beispiel:

fischerAppelt gründet Social Media Strategy Lab
Die fischerAppelt Föderation der Ideen fokussiert ihre Online-Kompetenz und startet das Social Media Strategy Lab. In der neuen Unit bündelt die Agenturgruppe disziplinübergreifend ihre Strategie- und Social Media Kompetenz …“

Da ist doch alles versammelt, was man sich wünschen kann – von willkürlichen Schreibweisen über angelsächsisches Gestammel bis hin zur Wortmarke: „fischerAppelt Föderation der Ideen“ – das hat fast die Qualität von „Dreiwetter-Taft“. Wenn es in der Hamburger PR-Agentur professionell zugeht, und wer sind wir, das zu bezweifeln, dann wurde dieser Text mehrfach abgestimmt und optimiert. So lange, bis ein Onanat daraus geworden ist. In aller Öffentlichkeit, schamlos. Wer wissen will, wie der Autor in seiner Selbstlust zum Höhepunkt strebt, der kann’s hier lesen: http://www.medienhandbuch.de/news/fischerappelt-gruendet-social-media-strategy-lab-30499.html (muss man sich aber nicht antun, ist pfui).

Deutlich erfreulicher zeigt ein anderer Anbieter, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat und zu nutzen weiß. Die dpa-Tochter News Aktuell bietet ihren Kunden ab sofort die Möglichkeit, ihre Informationen in der Art einer „Multimedia News Release“ zu verbreiten. An einem Beispiel demonstrieren die Hamburger PR-Distributoren, wie eine Neuigkeit in einer Quelle als Textdokument, Video und Grafik aufbereitet werden kann; hinzu kommt als PDF-Datei sogar noch etwas Hintergrundmaterial: http://www2.prnewswire.com/mnr/prne/newsaktuell/37548/

Nun mag man streiten, ob Jörg Forthmann und Birte Arnold als TV-Moderatoren nicht etwas zu betulich auftreten. Man fühlt sich ans ZDF erinnert, wo sich die Senioren sammeln. Vielleicht liegt’s auch an dem sperrigen, zahlenlastigen Thema. Aber in tutto ist hier ein gelungenes Beispiel zu betrachten, mit welchem Material heute Online-Redaktionen etwas anfangen können.

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Okt 14 2009

Vom Nutzen und Frommen von Social Media

Kategorie: Allgemeinadmin @ 17:41


Vier Experten, ein kluger Moderator, ein voller Saal mit Zuhörern: „Social Media – Zukunft der Kommunikation oder Spielzeug für Web-Geeks?“ war der Titel eines Informationsabends, zu dem die Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) nach München eingeladen hatte. Ein Mitschnitt auf zaplive.tv hat innerhalb weniger Tage fast 1.600 Zuschauer angelockt, ein Hinweis auf die Relevanz der Sache. Natürlich – nicht jede der 167 Minuten mit Vorträgen und Diskussionen ist interessant. Aber in der Summe lohnt es sich überaus mitzuerleben, wie PR-Leute aus Agenturen und Unternehmen über Social Media miteinander reden. Ganz offensichtlich ist das Thema in der Branche angekommen, aber viele Fragen offenbaren große Unsicherheit, manche Antwort ist eher spekulativ als informativ. Und den banalen Moment gibt es auch: „Man weiß selten vorher, was hinten raus kommt“: http://www.zaplive.tv/web/gpra

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Okt 14 2009

Einer hat’s verstanden

Kategorie: Allgemeinadmin @ 17:25

Es ist hierzulande nicht selbstverständlich, dass sich eine Leitfigur des Journalismus kritisch mit der eigenen Zunft befasst. Wolfgang Blau, Chefredakteur von „ Die Zeit-online“, schont die Kollegen nicht: „Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß“, stellt er fest. Mit klugen Antworten (auf die nicht immer klugen Fragen der horizont-Mitarbeiterin Doris Rasshofer) rüttelt Blau die schläfrigen deutschen Redakteure wach. Gut informiert verweist er auf die Unvergleichbarkeit des deutschen und des amerikanischen Medienmarktes, blickt mit Optimismus auf eine Zeitungslandschaft, die mit den neuen Medienmachern auf intelligente Weise kollaboriert. Und mit hinreißenden Beispielen macht er deutlich, warum zum Beispiel „Twitter“ ein sehr wichtiges und wertvolles Instrument in der Hand von Leuten sein kann, die es richtig nutzen. Wir wünschen viel Lesespaß und erhellende Einsichten mit  http://carta.info/16015/wolfgang-blau-zeit-online-journalismus-medienwandel/

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