„Die beiden Kommunikationsexperten rechnen mit der herkömmlichen Medienarbeit gründlich und überzeugend ab“, schreibt Michael S. Zerbahn in seinem Online-Magazin neudeutsch, „ehe sie dem Leser aufzeigen, welch ein immenser Arbeitsaufwand im Internet auf ihn wartet. Als ob eine solche Ankündigung angesichts notwendiger Ressourcen nicht schlimm genug wäre, halten die Autoren den PR-Arbeitern die Fahne vor Augen, die diese seit Jahrzehnten vor sich hertragen und damit vorgeblich Offenheit und Transparenz fordern. Im Netz werden sie darauf verpflichtet, und Schulz-Bruhdoel/Bechtel trauen den wenigsten heute aktiven Medienarbeitern die Flexibilität zu umzudenken. Sie erweitern ihre Skepsis dahingehend, dass die heutigen Ausbildungen den künftigen Entwicklungen nicht einmal ansatzweise gerecht werden.“
Letzteres stimmt unbedingt – in der PR-Ausbildung findet ja unter kräftiger Mitwirkung der Verbände (oder doch von diesen billigend in Kauf genommen) zur Zeit ein Wettlauf um den niedrigst möglichen Kostenaufwand statt, gegen sich sich derzeit nur ein einsamer Anbieter in Heidelberg stemmt.
Das Urteil über die Kollegen Medienarbeiter dagegen ist in dieser Zuspitzung nicht die Botschaft des Buches. Umdenken werden sicher einige, manche sind dabei auch schon weit gekommen. Aber: Es reicht nicht, wenn die Kommunikationsexperten alleine umdenken. Und das Denken alleine hilft sowie nicht, es muss auch zu praktischem Handeln führen können. Dazu braucht es Chefs und Kunden, die einen tun lassen und Ressourcen zur Verfügung stellen.
Das eigentliche Problem liegt in den Gesamtorganisationen, die ihr Kommunikationsverhalten ändern müssen, in den Unternehmenskulturen die weg müssen von der alten Abschottungsmentalität. Wer das gehobene Management deutscher Unternehmen kennen gelernt hat, wird da wenig Hoffnung haben. (mb)
Ein Interview zum Thema mit Michael Bechtel finden Sie ebenfalls in der neuesten Ausgabe vom neudeutsch.

