Auf Meedia lesen wir soeben: „Vor zwei Jahren galt unter deutschen Verlagsmanagern ‚Online First’ als einzige sinnvolle Strategie, um ihre Print-Marken in eine erfolgreiche Online-Zukunft zu führen. Die Zeit der uneingeschränkten Begeisterung scheint vorbei.“ Von „uneingeschränkter Begeisterung“ konnte allerdings in der Welt der Holzmedien nie die Rede sein. Was so falsch anfängt, wohin soll das führen?
Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, hatte gegenüber dem Verbandsblatt „Journalist“ geäußert, er halte die weit verbreitete Devise “Online first” nur noch für eine reine Marketingformel. Meedia setzt ein Fragezeichen dahinter: „Online-First nur eine Marketing-Formel?“ Und dann noch viel Text darunter, um seinen Lesern vorzumachen, sie könnten in diesem Text einer Antwort auf diese Frage irgendwie näher kommen.
Tatsächlich ist das nicht der Fall. Wir erfahren reichlich Bekanntes: dass Dirk Ippen und die SZ-Führung Crossmedialität für einen Holzweg halten, dass man im Hause Springer, auch beim Hamburger Abendblatt, entschlossen auf selbigem voranschreitet; und dass der Spiegel dies auch gerne täte, sich aber schwer tut: Seine arroganten Autoren mögen nicht einmal zehn Prozent zu spiegel-online.de beisteuern. “Keine einzige überregionale Tageszeitung veröffentlicht alle Texte zuerst im Internet”, soll Hans-Jürgen Jakobs laut Meedia dem Journalist anvertraut haben. Da wird kein Praktiker widersprechen oder auch nur allzu überrascht sein.
Richtig ist: Die Frage, inwieweit Print- und Online-Redaktionen und deren Textproduktionen verzahnt werden sollen, spaltet die deutsche Medienlandschaft. Allerdings nicht, wie suggeriert, in zwei feindliche Lager. Sie ist ein Flickenteppich verschiedenartigster, manchmal spannend, öfter hilflos wirkender crossmedialer Experimentierküchen. Das Erfolgsrezept ist noch nicht gefunden, das hätte sich herumgesprochen. Und die von Jacobs dem Journalist in die Feder diktierte Weisheit, Onlineredaktionen funktionierten anders als Printredaktionen, weil sie die meisten Leser zwischen 8 und 16 Uhr hätten, ist eine der vielen Überlegungen, die bei Konzeptionsentwicklungen eine Rolle spielen.
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