„Birds do it, bees do it, even educated fleas do it. Let’s do it …“– seit Barack Obama es tat und erfolgreich damit war, folgen alle dem Song von Cole Porter: sie „twittern“. Die kommenden Wahlkämpfe werden auch hierzulande online geführt, da sind sich alle Parteien einig. Selten hat eine technische Neuerung so rasch und so viele Menschen für sich eingenommen wie das Internet, seit es „sozial“ geworden ist. Sozial sogar in zweierlei Hinsicht: Das „social web“ kostet nichts, und es erlaubt soziale Kontakte in einem Umfang, der früher nicht vorstellbar gewesen ist.
Das Internet – und insbesondere seine Fortentwicklung Web 2.0 – bringt einschneidende Veränderungen für die gesamte Gesellschaft. Nirgends wird das so deutlich spürbar wie bei den Medien. Die Möglichkeiten des Internets entziehen den herkömmlichen Medien den Boden unter den Füßen, zugleich entsteht eine ganz neue Medienwelt. Die Rollen der Konsumenten und Produzenten von Informationen werden austauschbar. Während die Bedeutung der professionellen Medienmacher sinkt, entwickeln sich individuelle Kommunikationsangebote und gewaltige Netzwerke als Schallraum für ein chaotisch anmutendes Stimmengewirr. Nicht nur die Journalisten und Verleger verfolgen diese Entwicklung ratlos – PR-Fachleute haben ebenso große Schwierigkeiten damit.
Wir haben in unserem Buch, das auf Wunsch des Verlages „Medienarbeit 2.0“ heißt, diese Entwicklung analysiert und Konsequenzen aufgezeigt. Es kam uns nicht darauf an, einen weiteren Titel auf den Markt werfen, der Youtube, Facebook, Twitter & Co. beschreibt und gute Ratschläge für ihre Nutzung erteilt – das tun wir auch, aber in gebotener Kürze. Nach unserer Überzeugung geht es um mehr. Der Siegeszug des Internets zieht einen tiefen Schnitt. Wir erleben einen Kulturbruch, wie er seit Gutenberg nicht mehr geschah. Kommunikationsmanagement und Journalismus stehen vor Problemen, die nur durch neue Strategien zu lösen sein werden. Dieses Buch erörtert die Voraussetzungen, unter denen der Paradigmenwechsel in den Kommunikationsberufen geschieht, und leitet daraus Gedanken ab, welche Strategien in der neuen Medienrealität Erfolge versprechen. Die Diskussion darüber steht erst am Anfang, die Experimentierphase hat kaum richtig begonnen.
Täglich gibt es neue spannende Entwicklungen, die zu reflektieren und kommentieren lohnt. Wir würden gerne hier die Diskussion weiterführen – mit unseren Lesern und allen anderen, mit Gleichgesinnten und Kritikern.
Norbert Schulz-Bruhdoel & Michael Bechtel
im Juni 2009
